Immer wenn der bayerische Ministerpräsident von seinem 5-Sterne Premium-Land spricht, in welchem die Lebensqualität so hoch ist und Unternehmen perfekte Wachstumsbedingungen vorfinden, scheint Herr Seehofer das Thema Breitband-Internet auf dem Land gänzlich auszublenden.
Wir als EDV-Dienstleister spüren die Problematik auf zweierlei Art. Zum Einen, weil wir um Lösungen gebeten werden, um doch irgendwie schnelles Internet zu ermöglichen, obwohl kein DSL möglich ist; und zum Anderen, weil wir viele netzwerktechnische Lösungen nicht anbieten können, da es vor Ort kein schnelles Internet gibt.
Wo liegt das Problem?
Hauptsächlich liegt das Problem in der dünnen Besiedelung des Allgäus. Was für Touristen (und auch für uns selbst!) schön anzusehen ist, ist für die DSL-Technik sehr ungünstig. Denn die Distanz von der Vermittlungsstelle bis zum Verbraucher darf nicht länger als 4-6 km sein (je nach Kabelqualität), da ansonsten die Leistungsdämpfung zu groß wird.
Das Problem lässt sich anschaulich am Beispiel Kaufbeuren und den umliegenden Ortschaften wie Germaringen, Mauerstetten, Biessenhofen oder Irsee erklären. Diese Ortschaften haben alle die gleiche Vorwahl (08341). Die gemeinsame Vorwahl bedeutet, dass die Ortschaften eine gemeinsame Vermittlungsstelle haben. Diese liegt mitten in Kaufbeuren. Die Randbereiche der Ortschaften (in Richtung Kaufbeuren) sind zwar mit dem DSL-Signal noch zu erreichen, aber spätestens die Ortsränder in der entgegengesetzten Richtung können nicht mehr mit DSL versorgt werden, da die Dämpfung zu groß wird.
Alternativen
Es gibt inzwischen einige Breitband-Alternativen zum DSL-Angebot der Telekom, wie beispielsweise Kabel Deutschland, MIC-DSL oder Allgäu-DSL. Aber auch mithilfe dieser Anbieter ist es bisher nicht gelungen, den Bedarf an Breitband-Internet überall zu decken. Kabel Deutschland bietet seinen Zugang nur für Privatpersonen an und auch nur dort, wo bereits eine Kabel-Infrastruktur vorhanden ist. MIC-DSL erstellt eine Infrastruktur mit eigenen Leitungen und ist auch nur in Bayerisch-Schwaben zugange, während Allgäu-DSL auf Funktechnik setzt und versucht, auf diese Weise möglichst viele Löcher auf der weißen DSL-Landkarte im Allgäu zu stopfen. Übrigens verfügen Anbieter wie 1&1 oder Alice im Allgäu über keine eigene Infrastruktur und greifen nur auf Telekom Ressourcen zurück – falls sie zur Verfügung stehen.
DSL über Satellit ist nach unserer Erfahrung nicht zu empfehlen. Zu Stoßzeiten können die Übertragungsraten auf ISDN-Niveau sinken, und schlechte Wetterbedienungen können das Signal sogar ganz abbrechen lassen.
Die Lücken im Allgäu
Der Schmalbandatlas macht deutlich, wie prekär die Lage ist: Die dunklen Gewitterwolken bedeuten Geschwindigkeiten von unter 1,5 MBit/s. In Anbetracht dessen kann die Verfügbarkeit von Breitband-Internet somit eher als Ausnahme betrachtet werden. Die Regel ist, dass in den meisten Bereichen keine befriedigenden Übertragungsgeschwindigkeiten möglich sind.

Bringt LTE die Lösung?
LTE ist der Nachfolger von UMTS und wird seit einiger Zeit als der Heilsbringer für die Breitband-Internet-Problematik propagiert. Die Frequenzen des ehemals terrestrischen analogen Fernsehsignals werden für die LTE-Übertragungstechnik verwendet. Die Technik an sich ist vielversprechend und birgt viel Potential. Allerdings kommt der Ausbau langsamer voran als ursprünglich angedacht. Zudem bringt der Internetzugang über diese Technik einige Probleme mit sich. Es ist bekannt, dass beispielsweise T-Mobile alle Verbindungen zu Skype drosselt, damit der Telefondienst über das Internet nicht zufriedenstellend genutzt werden kann. Um diesen Dienst nutzen zu können, muss eine VoIP-Option hinzugebucht werden, was wiederum zusätzliche Kosten nach sich zieht. Wie bei UMTS bisher üblich, wird es auch bei LTE eine Volumenbegrenzung geben. Das bedeutet, dass bei Überschreitung des vertragsabhängigen Volumens die Übertragungsgeschwindigkeit stark gedrosselt wird. Eine echte Flatrate mit vollen Transferraten bei unbegrenztem Limit wird es vermutlich nicht geben.
Zudem schlägt in diesem Bereich die IPv4-Problematik zu. Wegen der immer knapper werdenden IP-Adressen bekommen die Benutzer von UMTS und LTE nur interne Adressen des Anbieters. Diese sind über das Internet nicht zu erreichen, so dass viele netzwerktechnische Lösungen nicht möglich sind. Abhilfe für dieses Problem bietet die Firma Mdex, welche IP-Adressen im großen Stil von den Mobilfunkanbietern gekauft hat. Für zusätzlich 24,- € bis 28,- € monatlich kann somit eine feste und über das Internet erreichbare IP-Adresse erworben werden.
Diese Darstellung zeigt den momentanen Ausbau von LTE aller Anbieter (Quelle: http://www.lte-anbieter.info). Die roten Antennenanlagen sind noch nicht aktiv.

Diese Darstellung zeigt den geplanten Ausbau von LTE (Quelle: http://www.lte-anbieter.info). Zum Zeitpunkt, wann dieser Ausbau abgeschlossen sein wird, wollte kein Anbieter eine Aussage treffen.

Eine Geschichte aus Schilda
Wie bereits erwähnt, liegt Germaringen in einem ungünstigen DSL-Bereich. Zwar bietet Kabel Deutschland in Germaringen auch einen Breitbandzugang an, aber Unternehmen können dieses Angebot nicht nutzen. Somit nahm die Gemeinde Germaringen viel Geld in die Hand (ca. 100.000,- €, abzüglich staatlicher Zuschüsse), um ihren Unternehmern Breitbandinternet zur Verfügung zu stellen. Im Sommer 2010 wurde die technische Aufrüstung in Germaringen durchgeführt. Seither steht für alle Einwohner der Gemeinde Germaringen Breitband-DSL zur Verfügung – leider nur nicht für Unternehmen mit Anlagenanschluss. Denn die installierte Technik ist so modern, dass die Telefonanlagen von Firmen damit nicht umgehen können. Zudem bietet bisher auch niemand Telefonanlagen für Anlagenanschlüsse an, die diese Technik unterstützen! Von Seiten der Telekom wurde zugesagt, dass dieses Problem bis März 2011 behoben sein wird. Nun ist es Ende Mai 2011 und eine Lösung für dieses Problem ist noch nicht in Sicht. Leider ist dies keine Geschichte aus Schilda, sondern bittere Realität.
Fazit und Ausblick
Im Allgäu ist eine Lösung für das Problem der fehlenden Zugangsmöglichkeiten für Breitbandinternet nicht in Sicht. Auch der scheinbare Heilsbringer LTE ist nur bedingt als Lösung zu betrachten. Gerade Unternehmen benötigen volle Funktionalität und unlimitierte Datenvolumen, um auf produktivitätssteigernde Lösungen zurückgreifen zu können.
Künftig wird sich das Problem noch verschärfen, da Produkte im Kontext von Cloud Computing vor der Tür stehen und gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen sehr attraktiv wären. Voraussetzung, um diese Produkte verwenden zu können, ist aber eine schnelle Internetanbindung.