Mein Kind bei facebook?

by Michael on 8. Juni 2011

Derzeit werden wir immer öfter von Kunden gefragt, was facebook genau ist und vor allem ob sich ihr Kind bedenkenlos anmelden kann. Diese Frage ist letztlich nicht ganz einfach zu beantworten, schließlich gibt es Vor- und Nachteile gleichermaßen, so dass man genau abwägen sollte ob eine Anmeldung in Frage kommt oder nicht. In diesem Artikel werden wir die die wichtigsten Fragen in Bezug auf facebook klären.

Was ist facebook?

Facebook ist ein sogenanntes “soziales Netzwerk“. Mit über 600 Millionen Benutzern auf der ganzen Welt (Stand 2011, facebook) ist es das mit Abstand größte seiner Art. Nach der schnellen und einfachen Anmeldung kann man allerhand Informationen über sich Preis geben (Geburtstag, Arbeitgeber/Universität, Beziehungsstatus, Hobbies etc.), einen Status veröffentlichen (was mache ich gerade?) oder sich auf die Suche nach Freunden machen.

Durch die hohe Zahl der Benutzer ist es heute kaum noch möglich facebook zu entkommen. Klassenkammeraden sind bei facebook, die eigenen Idole sind bei facebook und mittlerweile sind auch sehr viele Fernsehsendungen und Firmen bei facebook. So ist das Netzwerk in Schulen und Medien allgegenwertig. Daher ist es nachvollziehbar, dass sich gerade Kinder ohne facebook-Konto schnell ausgegrenzt fühlen oder tatsächlich ausgegrenzt werden.  Also einfach anmelden?

Die Gefahren von facebook.

Ganz so einfach sollte man es sich auch nicht machen, schließlich birgt facebook durchaus einige Gefahren.

1. Privatsphäre: Jedes soziale Netzwerk lebt davon, dass man Daten von sich preisgibt. Das können der eigenen Namen, Bilder, Alter oder Vorlieben, aber auch Statusmeldungen mit der Information wann man abends ins Bett geht und wann man in der Früh wieder aufwacht – oder weitaus intimere Dinge – sein. Zunächst sollte man sich bewusst machen, wer all diese Informationen lesen kann. Sind es nur die Freunde, die ich selbst bestätigt habe? Vielleicht auch die Freunde von Freunden, was schnell einen Personenkreis von mehreren tausend Personen ausmachen kann. Oder ist es vielleicht sogar jeder, sogar Suchmaschinen, wodurch mein Profil beispielsweise durch Google gefunden werden kann? Dies lässt sich in den Privatsphären-Einstellungen erledigen. Privatsphäre-Einstellungen bei facebookDie Einstellungen sind bei facebook ziemlich komplex und damit kompliziert. Der Privatsphäre-Leitfaden von facebook liefert dabei einen guten Einstieg. Beachten sollte man vor allem die Einstellungen, wem man welche Inhalte teilt, sowie die Einstellungen für Anwendungen und Webseiten unten links in den Privatsphäre-Einstellungen.
Die gute Nachricht: Für Jugendliche unter 18 gibt es nie öffentliche Suchergebnisse (d. h. das Profil kann nicht von Suchmaschinen wie Google indiziert werden) und Inhalte die man veröffentlicht, können nie “alle” lesen. Nichts desto trotz sollte man sich mit den Optionen auseinandersetzen und gegebenenfalls restriktiver einstellen. So können beispielsweise standardmäßig immer noch “Freunde von Freunden” die eigenen Statusmeldungen lesen.
Nun weiß man genau, wer welche Informationen lesen kann. Bevor man nun eine Statusmeldung, eine Notiz oder Kommentare schreibt, sollte man sich also überlegen, ob wirklich all diese Personen, diese Information lesen dürfen. Oder: Würde ich im “echten Leben” all diesen Personen diese Information mitteilen? Kann man diese Frage guten Gewissens mit Ja beantworten, steht der öffentlichen Kommunikation nichts mehr im Wege.

Info: Von Zeit zu Zeit schaltet facebook neue funktionen Frei, welche in der Regel standardmäßig aktiviert werden. Daher empfiehlt es sich regelmäßig die Einstellungen zu kontrollieren. So wurde beispielsweise jüngst eine Funktion eingeführt, mit der facebook automatisch Ihr Profil mit Bildern verknüpft, auf denen Sie erkannt werden. Diese erkennung läuft automatisch und ist damit immer auch fehlerbehaftet. Facebook nennt diese Funktion “Freunden Fotos von mir vorschlagen (Wenn ein Foto nach mir aussieht, meinen Namen vorschlagen)” und muss in den Privatsphäreoptionen extra deaktiviert werden.

2. Anwendungen: Problematisch sind auch Anwendungen innerhalb von facebook, etwa kurzweilige Spiele. Doch leider wird die Funktion – Programme von externen Anbietern einbinden zu können – immer öfter missbraucht. Da es für den Laien nicht immer leicht ist zu beurteilen, ob eine Anwendung “gut” oder “schlecht” ist, empfehlen wir grundsätzlich keine Anwendung zu genehmigen. Meist dreht es sich ohnehin um Nonsens wie Fragen über seine Freunde zu beantworten (“Findest du, Person XY kann gut tanzen?”), virtuelle Umarmungen oder Küsse zu versenden/erhalten oder virtuelle Glückskekse zu öffnen.
Besondern gefährlich sind jedoch andere Anwendungen. Etwas solche, die einen “Dislike-Button” auf der Seite hinzufügen – also einen Button um zu zeigen, dass einem etwas nicht gefällt. Oder Programme, die versprechen einem anzuzeigen, wer sein Profil angesehen hat – was technisch jedoch gar nicht möglich ist. Auch Anwendungen die versprechen, geheime Bilder oder Informationen preiszugeben, führen mit Sicherheit nichts Gutes im Schilde – Bilder oder Informationen kann man weitaus einfach auf herkömmlichen Webseiten veröffentlichen. So wurden Beispielsweise kürzlich arglose Benutzer mit einem vermeintlichen Bild des getöteten Osama bin Laden gelockt. Die Gefahren von Anwendungen und Schadcode sind mannigfaltig, Sie können für Werbung respektive Spam genutzt werden oder den PC mit Viren verseuchen.Beispiel: Schadcode bei facebook

Wichtig: Kopieren Sie NIEMALS etwas anderes als einen gewöhnlichen http://-Link in Ihre Adresszeile. Häufig müssen Sie bei solchen Anwendungen einen bestimmten Code (z.B. javascript: …) in Ihre Adresszeile kopieren – genau dieser Code ist schädlich.

Da facebook eigentlich nicht für Kinder gedacht ist, gibt es auch keine Möglichkeit für Eltern einen Account für die Kinder zu erstellen, bei dem die Eltern die Rechte wie gewünscht einstellen und etwa Anwendungen verbieten können. Man kann seinem Kind also die Einstellungen nur verbal vorschreiben, aufklären und immer wieder Kontrollieren. Praktisch kann jedoch jederzeit jede Einstellung geändert werden.

Alles schlecht?

Mitnichten! Ist man sich den Gefahren bewusst können soziale Netzwerke durchaus einen Mehrwert bieten. Interessante, wissenswerte oder lustige Webseiten und Videos lassen sich schnell miteinander teilen und die Kommunikation wird in vieler Hinsicht vereinfacht. Einladungen zu Veranstaltungen oder Nachrichten an die Klassenkameraden sind schnell erstellt. Der Nachrichtenaustausch gestaltet sich über soziale Netzwerke auch nach der Schulzeit deutlich einfacher als früher per Telefonlisten, welche schnell nicht mehr aktuell waren.

Alternativen?

Facebook ist der klare Marktführer, daher wird Ihr Kind höchstwahrscheinlich auch zu facebook wollen und nicht zu irgendeinem anderen Netzwerk. Ein soziales Netzwerk, bei dem die eigenen Freunde nicht angemeldet sind, ist schließlich nahezu nutzlos. Dennoch sei erwähnt, dass es durchaus Alternativen gibt. In Bayern z. B. ist lokalisten.de relativ beliebt, auch schuelervz.de (bzw. studivz.de, meinvz.de) hat nennenswerte Marktanteile. Wer-kennt-wen.de hat eher ältere Nutzer, Xing oder LinkedIn sind für Geschäftskontakte geeignet. Die hier genannten Gefahren und Potentiale gelten generell auch für alle anderen sozialen Netzwerke.
Doch klar ist: Konkurrenz belebt das Geschäft und es ist beängstigend zu wissen, welche Fülle an Informationen facebook besitzt. Besitzt? Nicht ganz, der Besitz von Bildern, Texten und allen anderen Informationen bleibt bei einem selbst. Jedoch überträgt man facebook “eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung” und das “Löschen” von Inhalten bedeutet lediglich die Entfernung von der Webseite, nicht dass die Daten tatsächlich gelöscht werden. Somit ist ein möglichst großes Netzwerk Fluch und Segen zu gleich. Einerseits wird eine unvorstellbar große Menge an Daten zentralisiert bei einem kommerziellen Unternehmen gehortet, andererseits steigt die wahrscheinlichkeit seine Freunde zu finden und auf aktive Nutzer zu stoßen.

Vladi August 11, 2011 um 10:53

Ich als Vater bin straight dagegen die Bilder von meiner Tochter im Internet zu veröffentlichen und ich glaube jeder weisst auch warum.
Cheers.

Sabine August 12, 2011 um 12:08

Auch ich kann nur davon abraten Kinder (nicht Jugendliche) den Zutritt zu facebook zu erlauben. Bei den Älteren muss man auf Wissen, Aufklärung und Einsicht setzen. Leider sind diese Eigenschaften selbst bei Erwachsenen nicht sehr weit verbreitet.

Mario August 15, 2011 um 15:53

Kinder haben bei Facebook nichts zu suchen, als zweifacher Vater ist das für mich ein ganz klares NoGo. Ich kann Eltern nicht verstehen die ihre Kinder oder sogar Babys da einstellen, am besten noch hunderte Fotos.

Matz August 16, 2011 um 09:56

Ich kann mich doch immer wieder nur wundern über die Beschwerden über das ach so böse Facebook. Meistens beschweren sich doch die User, die es selber in Schuld sind. Was manche Leute dort an Infos, Fotos usw hochladen ist manchmal schon nicht mehr lustig. Jeder ist seines Glückes Schmied…

Paul August 17, 2011 um 10:43

Aus meiner Sicht ist Facebook mit Vorsicht zu genießen, aber nicht zu verteufeln. Wichtig ist, dass man mehr als einmal mit dem Kind bespricht, was die Gefahren sind. Außerdem sollte man sich informieren, Facebook aktualisiert alle (gefühlt) zwei bis drei Tage die Privatsphäre-Einstellungen und fügt neue Funktionen hinzu, die die Daten sonstwohin senden. Die stehen eben automatisch auf “ja”, das sollte man einmal im Monat überprüfen!

Herbert Oktober 19, 2011 um 03:21

Ja, da stimme ich ganz mit dir überein … man sollte es immer und immer wieder mit seinen Kindern besprechen. Wenn die Kinder älter sind, werden sie es mir Danken, dass nicht jede Jugendsünde im Internet verbreitet ist.

Steffi Oktober 20, 2011 um 07:37

Facebook ist leider nicht kontrollierbar. Zwar kann man bei den eigenen Kindern darauf achten, dass keine Bilder veröffentlicht werden. Aber man muss damit Leben, dass man von den Kindern als Stalker gehalten wird.
Jedoch werden oft von anderen Kindern Bilder von der eigenen Kindern eingestellt und irgendwie markiert, damit es auch gleich jeder mitgekommt. Wie das markieren funktioniert habe ich noch nicht entdeckt und somit auch nicht gegensteuern. Ein neue Funktion ist wohl “Gesichtserkennung”. Alleine das Wort sagt schon alles.
Kann man markieren und Geschichtserkennung deaktivieren?

Michael Oktober 20, 2011 um 07:42

Ja, in den Privastphäreoptionen ist das möglich.

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